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Normale Version: Der virtuelle Staat - Ein Gedankenspiel
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Mir ist da gerade eben ein Gedanke gekommen, den ich gerne mal mit euch diskutieren möchte: Meint ihr, man könnte die Gesellschaft verbessern, indem man einen virtuellen Staat erschafft?

Der Grundgedanke kommt aus einer fremden und einer selbstgebastelten Gesellschaftstheorie.

1) Der Gesellschaftsvertrag: Schon viele Philosophen forderten, dass ein Staat eine Art Vertrag darstellen soll, dem sich alle Staatsbürger verpflichten, und der größtmögliche individuelle Freiheit, Gerechtigkeit und Schutz bietet. Das Grundsätzliche Problem an der Vorstellung ist, dass dies nicht der Realität entspricht: Man wird in einen Staat hineingeboren, nach einer Unterschrift unter irgendeinen Vertrag wird man nicht gefragt. Auch prägen sämtliche geologischen, politischen, religiösen Umstände der Zeit, wieviel Schutz, Gerechtigkeit und Freiheit sich einem bietet.
Wenn ich mit dem Staat nicht einverstanden bin, bleibt mir nur, auszuwandern.
Die Idee dabei ist: Das Internet bietet doch immerhin die Möglichkeit, sich auf vertraglilch festgelegte Regeln zu einigen und sie freiwillig einzugehen. Schlecht bestellt ist es um Schutz usw. Aber gehen wir von einem einfacheren Fall aus: Innerhalb eines Forums würden sich alle Mitglieder darauf einigen, sich vegetarisch zu ernähren. Wenn sie irgendwann doch lieber Fleisch essen wollen, können sie sich vom Forum abmelden. Wenn sie es heimlich tun, werden sie ausgeschlossen.
Der haken an der Sache ist: Was hat man davon, sich der Gemeinschaft des Vegetarier-Forums anzuschließen? Man hat kaum harte, reele Vorteile dadurch und einen haufen Arbeit, gegen sein Fleischverlangen anzukämpfen.

2) Das bringt mich zu der zweiten Annahme, die ich in Frühform auch irgendwo in diesem Forum stehen habe: Anerkennung als Triebfeder der Gesellschaft.
Wenn man die Entwicklung von Gesellschaft und Natur betrachtet, so stellt man fest, dass sich die Gesellschaft weiter und weiter von den Unfreiheiten und Nöten der Natur abgekoppelt hat. Innerhalb der Gesellschaft haben wir seltener die Gefahr gefressen zu werden oder sonstwie um unser Überleben kämpfen zu müssen. Viel eher beruht das erfolgreiche Fortkommen innerhalb der Gesellschaft auf einem Selektionsmechanismus, den sich die Menschen untereinander geschaffen haben: Gesellschaftliche Anerkennung. Wir streben nicht nur dannach, unser persönlilches Glück zu erreichen, sondern auch innerhalb der Gesellschaft möglichst positiv akzeptiert zu sein. Wir wollen Anerkennung. Die einen auf der ganz großen Bühne, Stars und Sternchen, andere eher in familiären Kreisen oder unter Freunden. Der viel zitierte Respekt, den man sich verdient veranlasst uns zu manch arbeitsreicher Tat. Es gibt genug Beispiele für Leute, die sich in schwierige und uninteressante Studiengänge stürzen, große Gefahren suchen oder sonstwas Unsinniges machen, nur weil sie nach Anerkennung lechzen.
Natürlich gibt es daneben noch weitere Mechanismen, wie das schon erwähnte egoistische Streben nach dem eigenen Vorteil usw. Wichtig ist mir nur: Man kann etwas Abstraktes und im Grunde nur kommunikatives wie gesellschaftliche Anerkennung dafür nutzen, damit Menschen konkrete Handlungen vollziehen.
Besonders auffällig ist dies zum Beispiel auch bei irgendwelchen Ehrentiteln, die, wie ich gehört habe, bei Worls of Warcraft verteilt werden: Dafür muss man stundenlang spielen und hat keinen spielerischen Vorteil, außer den staunenden Augen anderer Mitspieler.

So.

Wenn man nun versuchen würde dies beides miteinander zu vereinen, würde das funktionieren?

Konkret: Man würde einen virtuellen Staat schaffen in der Weise, dass die Mitgliedschaft auf dem Akzeptieren eines Gemeinschaftsvertrages basiert. Man würde eine riesige Community gründen, deren Mitglieder für lobenswertes und - im Sinne des Gemeinschaftsvertrages - Gutes belohnungen bekommen, wie etwa große Aufmerksamkeit innerhalb des Forums, Sternen, die es zu sammeln gilt oder ähnliches.
Auf der anderen Seite würde man auch strafende Elemente einbauen. Man hätte eine Art Pranger-Bereich, in denen das Fehlverhalten einzelner öffentlich gemacht wird und man kann in bestimmten Abstufungen Abmahnungen erhalten, sagen wir zwei Maluspunkte, die je nach schwere des Vergehens auch beide gleichzeitig vergeben werden können und als letztes Mittel den entgültigen Rauswurf. Als Kontrollmittel würde die allseits beliebte Denunziation stehen, die mehrfach bestätigt sein muss, um zu konkreten Strafaktionen zu führen.

So weit, so unnütz.

Der Clou an der Geschichte ist, dass sich diese Gemeinschaft nicht auf Aktionen im Netz beschränken soll, sondern konkrete Handlungsweisen in der realen Welt festlegt. Die eingegangenen Verpflichtungen sollen staatlichen Gesetzen entsprechen, also Verhaltensweisen regeln, abseits geologisch verorteter Staaten.
Man könnte zum Beispiel ein humanitäres Ziel festlegen und die Gesetze der Community würden dann etwa lauten:
Ich lege mich darauf fest, einmal in der Woche eine Spende für die Armen zu tätigen, sei es nun das Kleingeld für den Bettler oder sonstwas.
oder
Ich verpflichte mich, kein Fleisch mehr zu essen.
oder
Ich werde soundsoviel gemeinnützige Arbeit verrichten/Wale ins Meer zurückschieben/ Tiere aus Zoos befreien/ alten Menschen vorlesen/ wasauchimmer.

Meint ihr, so etwas würde funktionieren? Würden sich die MItglieder untereinander kontrollieren? Welch totalitäres Regime könnte dadurch entstehen? Wo liegt der Fehler in der Überlegung?

Einen habe ich selber schon rausgefunden: Das Ganze würde nur funktionieren, wenn die Gemeinschaft über lokal bekannte Menschen funktioniert. Wenn sie nur aus mir und Pablo aus Südamerika besteht, ist es nicht mehr als eine Erklärung guter Absichten: Ich kann seine wirkliche Verhaltensweise nicht kontrollieren.

Eine andere Lücke: Wer würde Bestrafungen ausführen, Urteile sprechen, Denunziationen überprüfen? Ich hatte daran gedacht, dass "Gesetze" "Urteile" usw. von einer bestimmten Prozentzahl der Gemeinschaft (80%?) unterstützt werden müssen, damit sie Gültigkeit besitzen. Da würde aber nur etwas Vernünftiges bei rauskommen, wenn die Gemeinschaft groß genug ist, und das Ganze ernst nimmt.

Sagt mal, was ihr davon haltet.
Ich hab momentan leider nicht ausreichend Zeit darauf ausführlich zu antworten. Ich werde versuchen, es am Ende der Woche nachzuholen.

Nur soviel: Meiner Meinung nach liegt der entscheidende Fehler darin, dass Du das virtuell planst. Außerdem funktionieren Gesellschaftsverträge, soweit ich das beurteilen kann, nur bedingt. Eine Gemeinschaft (oder Nation) ist mehr, als ein willkührlich zusammengewürfelter Haufen von Leuten, die sich einem wiederum relativ willkürlichen Ziel unterwerfen.

Demnächst ausfürhlicher...
freiwillig würden das nicht viele menschen machen. und das belohnungsprinziep würd auch nur ziehen, wenn etwas "wirkliches" bei rauskommt (geld)
es wird sehr viele vollspacken geben, die nur aus freude das ganze system zerstören wollen. andere ärgern, was kümmert mich der rest, hauptsache ich bin einmal richtig (negativ) aufgefallen.
es werden neider da sein, die absichtlich den mit dem etwas besseren rang in den dreck ziehen.
Das haste in JEDEM onlienspiel mit rangliste oder ehrensystem.
freiwillig ( um sich selbst zu verbessern, ohne hintergedanken auf den "guten ruf" oder sonstigem) gibts z.b. bei star trek. leider sind menschen aber nicht so ;-)
nichtmal mönche, religiöse yogis oder der lama. die haben alle hintergedanken. sei es der freischein in den himmel oder unsterblichkeit in geschichtsbüchern.
selbstlos sein "lohnt" sich einfach nicht.
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