Schön, dass Du das Thema anschneidest, ich wollte es sonst grade machen

Vorher aber noch kurz zu der Linken: Ich bin da auch sehr zwiegespalten, einerseits hab ich sie bei der letzten Wahl gewählt, allerdings aus purem Protest (auch nicht sonderlich klug, aber mir geht der restliche Parteienzirkus eben zu sehr auf den Senkel), andererseits ist diese Partei, glaube ich, arg gefährlich, wenn sie wirklich einflussstark an die Regierung kommt und nicht nur so vereinzelt, wie in Berlin. Es gibt da sehr vernünftige Leute in der Partei; ich denke da an Gregor Gysi oder auch Oskar Lafontaine, die beide tolle Analytiker sind, gut reden können, aber leider auch nicht das umfassende Konzept haben. Und dann gibt es da diese Leute von der kommunistischen Plattform beispielweise, die meiner Meinung nach fast schon verbrecherisches Zeug labern und am liebsten die Teilung von Deutschland wieder hätten. Also, die DDR mag ihre Vorzüge gehabt haben, aber die Teilung Deutschlands und die Mauerverbrechen gutzuheißen, das geht gar nicht, wie ich finde.
Das Lustige ist, dass die Linke in wesentlichen Teilen nichts anderes will, als die SPD, es sprachlich nur anderes verpackt. Mittwochs abends kommt immer "hart aber fair" und da hatten sie vor der Wahl in Hessen das Programm von SPD und Linker verglichen. Als das von der ganzen Rhetorik und den ideologischen Phrasen befreitwar, stand da fast haargenau dasselbe.
Mir ist die Linke leider immer noch zu ideologisch vorbelastet. Wenn man sich beispielsweise mal die "junge Welt" durchliest (ne linke Tageszeitung, noch ein wenig radikaler als die "taz"), dann wird man feststellen, dass die China unterstützen und die tibetischen Proteste als vom Westen initiiert ansehen (War das nicht ne galante Überleitung?). Abgesehen davon, dass man nicht weiß, wer jetzt wen angestachelt hat und welche Rolle auch da wieder CIA und Konsorten möglicherweise spielen, finde ich dass die Unterdrückung eines Landes auch durch ein pseudosozialistisches Land wie China nicht anerkannt werden darf.
Ich finde die Aufstände in Tibet berechtigt, da die Tibeter seit über 50 Jahren unterdrückt werden (kulturell, ethnisch). Das Problem das ich bei der ganzen Sache sehe ist, dass dit Tibeter es nicht geschafft haben den Protest wirklich absolut friedlich zu halten, wie beispielsweise 1989 die Proteste in der DDR verlaufen sind. So hat China die Rechtfertigung, dass es legitim einen gewalttätigen Volksaufstand niederschlagen muss. Und dass die Chinesen nicht zimperlich sind, hat man auch schon 1989 gesehen.
Meiner Meinung nach ist der Umgang mit China heuchlerisch, denn einerseits sagt man auf der Moralseite, dass es eine Diktatur ist, die man nicht unterstützen kann, andererseits ist China aber auch angeblich die Zukunft und man pumpt massenhaft Geld in dieses Land und macht sich wirtschaftlich davon abhängig.
Ein Olympiaboykott ist, glaub ich, auch nicht der richtige Weg, da man so die Situation noch weiter verschärft und die Fronten verhärtet, denn China wird sich vom Westen niemals was sagen lassen. Vielleicht ist es so während den Spielen möglich die Situation in Tibet besser zu beleuchten, wenn Journalisten besser dorthin reisen können. Allerdings wäre eine eigenes tibetisches Olympiateam schon nicht schlecht und ein Zeichen des guten Willens. Soweit ich weiß gibt es das nämlich. Ich glaub aber nicht, dass es soweit kommt. Das kann China sich nicht leisten.
Wenn mit den olympischen Spielen sich in China eine verbesserte Pressesituation ergeben würde, wäre das schon ein toller Erfolg. Ansonsten kann man, denk ich mal nicht zu viel erwarten.